Radikal Modern – Eine Ausstellung von bestechender Aktualität

Die Ausstellung „Radikal Modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre“, mit der die Berlinische Galerie nach umfassenden Sanierungsarbeiten ihre Räume wiedereröffnet hat, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: Damals wie heute steht Berlin unter dem Zeichen rasanter Entwicklungen und Umbrüche.

Und damals wie heute stellt sich die Frage: Quo vadis, Berlin?

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Heinz Lieber, Panorama Alexanderplatz, Fotografie, 1972, © Rechtsnachfolger Heinz Lieber, Repro: Kai-Annett Becker. Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.

„Radikal Modern“ als Reflexionsfläche und Vergegenwärtigung von Stadt- und Gesellschaftsvisionen

Vor diesem Hintergrund ist die Ausstellung „Radikal Modern“ von bestechender Aktualität: Sie bietet uns eine Reflexionsfläche dafür, was Stadt sein sollte und wurde, kann und werden soll. – Denn Architektur und stadtplanerische Tätigkeiten sind niemals nur beliebige Ausdrücke einer Zeit. Sie tun viel mehr: Sie lenken die urbanen Entwicklungen und Umbrüche mit ihren Formsprachen in bestimmte Richtungen, setzen Impulse, verkörpern politische, soziale und ästhetische Visionen. Architektur und Urban Planning schaffen die Räume, in denen wir leben und konturieren und beeinflussen damit entscheidend die Möglichkeiten, die wir in und mit ihnen realisieren können sowie unsere Erlebnisse und Erfahrungen. Damit sind Architektur und Stadtplanung auch immer schon Ausdruck und Kampf um konkurrierende Überzeugungen und Ideale.

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Heinrich Kuhn, Wohnbebauung von Chen Kuen Lee, Märkisches Viertel, Senftenberger Ring 80-86, Fotografie, um 1970, © Heinrich Kuhn/Sabine Krüger, Repro: Isabell Kanthak. Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.

„Radikal Modern“ geht genau diesem Moment der Macht und Magie von Architektur und Stadtplanung für die großen Entwürfe und stadplanerischen Baumaßnahmen im Berlin der 60er-Jahre nach. Auf faszinierende Art und Weise setzt die Ausstellung zum Einen anhand einer Vielzahl von Exponaten, Plänen, Collagen, Modellen, Filmen, Fotografien und Manuskripten in Szene, welche ideologischen, technologischen, wirtschaftlichen, pragmatischen und ästhetischen Motive in Ost- und West-Berlin treibende Kraft bei den konkreten Planungen und Baurealisierungen waren. Sie zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Entwürfen im Osten und im Westen der Stadt auf. Und sie geht der Frage nach, wie Architektur und Stadtplanung sich an den verschiedenen politischen Systemen im Kalten Krieg und an ihren jeweiligen internationalen Modernen orientierten und sie selbst mitgestalteten.

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Josef Kaiser, Großhügelhaus, Collagierte Perspektive: Dieter Urbach, 1971, © Michael Kaiser, Dieter Urbach, Berlinische Galerie. Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.

Zum Anderen verfolgt die Ausstellung das Ziel einer Neubewertung der Architektur und Stadtplanung der 60er-Jahre: Während diese heute oftmals abfällig beurteilt wird und ihre Bauten von Verfall und Abriss bedroht sind, will „Radikal Modern“ zu einer neuen Auseinandersetzung mit dieser Phase einladen. – Als solche bietet die Ausstellung uns die einmalige Chance, uns bewusst zu fragen, was wir erhalten und bewahren wollen, was wir aus der Zeit der radikalen Moderne für unsere heutigen urbanen und stadtpolitischen Gestaltungspläne lernen können und uns besser darüber zu verständigen, wie wir uns von den 60er-Jahren unterscheiden und wo wir heute stehen und hin wollen.

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Radikal Modern, Installationsansicht, Foto: Marlen Mueller / Berlinische Galerie. Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.

Radikal modern – Entgrenzung im Alltag

Schließlich gelingt der Ausstellung ein genialer Streich mit ihrem Begleitkonzept zur Ausstellung, mittels dessen sie darauf zielt, „Radikal Modern“ über die Grenze der Ausstellungsräume in unsere Alltagswahrnehmungen und Alltagsreflexionen zu integrieren. So stellt sie zum Einen eine kostenlose App (IOS und Android) zur Verfügung, die 40 einzelne Stationen der Ausstellung im Berliner Stadtplan markiert mit detaillierten Informationen und der Möglichkeit, individuelle Routen zu kombinieren. Damit bietet sich uns die Chance, unsere sonst alltäglichen blinden Fortbewegungen von A nach B in Berlin in neue Seherlebnisse und Stadterfahrung transformieren zu lassen. Zum Anderen erlaubt die Ausstellung mit ihrem eigenen Blog, eine Vielzahl von Features, Interviews und Statements rund um das Ausstellungsthema zu verfolgen.

Der Trailer zur Ausstellung

Die Infos zur Ausstellung:

Ausstellungslaufzeit: 29. Mai bis 26. Oktober 2015

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr

Wo: Berlinische Galerie

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro (nicht bestätigt)

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Radikal Modern, Installationsansicht, Großsiedlungen und Widerstände, Foto: Marlen Mueller / Berlinische Galerie. Copyright © 2011 Berlinische Galerie. Alle Rechte vorbehalten.

Autorin: Katharina Ritter

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