Das Badeschiff in Berlin-Alt-Treptow: Ein Rausch für alle Sinne

Der Sprung ins Wasser: Schwimmen in den Szenebädern der Berliner Innenstadtbezirke (1) – Die immodelfin-Sommer-Artikel-Serie

Endlich hat der Hochsommer Berlin erreicht. Bei gleißender Sonne und Temperaturen, die einem schon im Schatten den Schweiß auf die Stirn treiben und den Rücken herunterrinnen lassen, verheißt der Sprung ins Wasser Erlösung – zu mindestens für den Augenblick. Wer dies in den Berliner Innenstadtbezirken tun möchte, der findet hier Inspirationen für außergewöhnliche Badeerlebnisse. Den Auftakt möchten wir von immodelfin heute mit der Vorstellung des Badeschiffs machen.

 

Das Berliner Badeschiff

Ich bin gebürtige Berlinerin, aufgewachsen im Französischen Sektor der Stadt, und habe folglich den für Eingeborene von derart mythosbehafteten Städten, wie Berlin, Paris, Rom, Moskau, New York, etc., so typischen Großstadtnarzissmus bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Eines der Merkmale dieses Großstadtnarzissmus ist die tatsächlich weitestgehende Blindheit für die eigene Stadt, weil sie uns Eingeborenen immer schon als selbstverständlich mit all ihrer Schönheit, ihren Möglichkeiten, ihren Ecken, Kanten und Härten im Alltagsleben gegeben war. Eher selten sind daher diese kostbaren Momente, in denen sich die Stadt uns so offenbart, wie sie sich dem frischen Blick der Zugezogenen und Touristen zeigt, die sie sich erst aktiv aneignen und erobern müssen. – Und genau einen dieser wunderbaren augenöffnenden Momente erlebte ich, als ich das Badeschiff im Berliner Stadtteil Alt-Treptow erstmals aufsuchte.

 

ARENA BADESCHIFF_1

ARENA BADESCHIFF

 

Schwimmen im Bann von Stadtgeschichte, Architektur, Spree und sommerlicher Leichtigkeit

Das von der Arena Berlin betriebene Badeschiff hatte bereits 2004 seinen Betrieb aufgenommen. Mein erster Besuch ließ aber noch einige Jahre auf sich warten – auch dies typisch für den Großstadtnarzissmus, zunächst skeptisch gegenüber allem seiend was als neu-szenig und hipp deklariert wird. Doch dann an genau einem solcher drückend heißer Sommertage, wie wir sie dieser Tage erleben, wollte ich kurz entschlossen nur noch das nächste Schwimmbad in meiner Nähe ansteuern. Vom U-Bahnhof Schlesisches Tor lief ich die Kreuzberger Schlesische Straße hinunter, über die Brücke am Landwehrkanal am Heckmannufer und dann über die Brücke am Flutgraben rüber nach Berlin-Treptow, da, wo einst die Mauer die Stadt getrennt hatte. Als ich in den Weg Am Flutgraben einbog, den linker Hand gelegenen Club der Visionäre hinter mir ließ und auf die großen, für die alten Berliner Fabrikgebäude so typischen roten Backsteinfassaden zulief, waren alle meine Sinne mit einem Male hellwach. Der schmale Weg zwischen den Fassaden des Treptower Hallentrödelmarktes und des White Trash war plakat- und graffitigepflastert, über meinem Kopf baumelten Lampions. Dann noch einmal links abgebogen und da lagen Arena und Badeschiff vor mir auf dem Arial des ehemaligen ABOGAG-Betriebshofes (Allgemeine Berliner Omnibus AG, dem ehemalig größten Betreiber von Pferdeomnibussen in Berlin).

 

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ARENA BADESCHIFF

 

Und tatsächlich: da lag es, das Schwimmbecken mitten in der Spree. Über den Sandstrand hinweg steuerte ich direkt einen Liegestuhl auf dem großen Holzsteg an, warf meine Kleider hinein und sprang ins zwar beheizte, aber angenehm kühle Wasser. Gänzlich überwältigt von dem Panorama und der Anlage ließ ich mich an den erweiterten Beckenrand treiben, der es einem erlaubt, im Wasser liegend das gesamte Stadtbild in sich aufzusaugen. Hier Berlin-Treptow, dort drüber auf der anderen Seite der Spree in Berlin-Friedrichshain der Osthafen und zeitgenössische Architekturbauten. Der Blick kann bis zur Oberbaumbrücke an der Warschauer Straße und zum Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin-Mitte streifen. Zu der Tageszeit, zu der ich eingetroffen war, war das Badeschiff noch recht leer. In dem himmelblauen, etwas über 32 Meter langem Becken, zog ich meine Bahnen, musste aber immer wieder innehalten: Denn ich konnte mich weder sattsehen an meiner Stadt, noch genug davon bekommen, diese einmalige Atmosphäre der Gleichzeitigkeit von Stadtgeschichte, Architektur, dem Schwimmen auf der Spree in der Spree und sommerlicher Leichtigkeit in mich aufzunehmen. Später, als die Abendsonne schon tiefer stand, füllte sich das Bad, Loungemusik und Bargeplänkel schwappten von der hauseigenen Beachbar hinüber und relaxtes Sommerpartychillen machte sich breit. Szenig und hip eben, aber nicht agressiv-szenig und -hip.

 

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Beachbar ARENA BADESCHIFF

 

Einige Fakten im Nachgang: Zweckentfremdeter Schiffsbau, Kultur & Konzerte, Yoga und Winterbadeschiff

Erstens: Das Badeschiff, wie ich erst später herausfand, wurde von Susanne Lorenz und der spanischen Gruppe AMP Arquitectos mit Gil Wilk 2002 im Zuge eines Wettbewerbs der Stadtkunstprojekte e.V. entworfen, bei dem es den ersten Preis gewann. Das Badebecken besteht aus einem umgebauten Schubleichter, laut Wikipedia, dem Mittelteil eines in der Flussschifffahrt zu Frachtzwecken genutzten Schubverbandes. Im Winter verwandelt sich das Sommerbadeschiff in das Arena Winterbadeschiff mit Saunabetrieb und textiler Überdachung des Schwimmbeckens.

Zweitens: Das Badeschiff wird von einem reichen Kultur- und Konzertangebot der Arena begleitet: Lesungen, Bands, Singer-Songwriter, besondere Partyevents und Veranstaltungen externer Veranstalter. Eines der Highlights in den vergangenen Jahren war dabei sicherlich, als die Berliner Tangoszene 2013 um das Veranstaltungsformat Sólo una Vez das Badeschiff für sich kaperte und im Pool, auf dem Steg, dem Sonnendeck und der Halle von nachmittags an durch die Nacht bis in den Morgen hinein tanzte. Sodann sei noch erwähnt, dass das Badeschiff mittwochs bis freitags Yoga um 9h00 morgens anbietet.

 

Drittens: Auch wenn das Becken keinen Nichtschwimmerbereich hat, können Familien mit Kindern immerhin Buddelspaß am badeigenen Sandstrand haben, wobei sie wohl ab und an mit Beachvolleyballlustigen konkurrieren müssen. Schließlich ist es dieser Tage ratsam, vor einem Besuch des Badeschiffs kurz seine Facebookseite zu besuchen, da dort zumeist nicht nur der aktuelle Stand der Wartezeit am Einlass angegeben, sondern auch auf sonderveranstaltungsbedingte Schließungen hingewiesen wird.

 

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Anfahrts- und Lageplan

 

Kontaktinformationen:

Name: Arena Berlin Betriebs GmbH

Adresse: Eichenstraße 4, 12435 Berlin

Weibseite: www.arena.berlin

Öffnungszeiten: Ab Mai 08:00 Uhr bis 00:00 Uhr

 

Autorin: Katharina Ritter

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